60 Prozent der Online-Nutzer brauchen Unterstützung in Sachen Sicherheit

Author: Inger Paus

Rund um die Uhr einkaufen, Überweisungen tätigen, Reisen buchen oder auf sozialen Netzwerken Freundschaften pflegen – die Digitalisierung vereinfacht unseren Alltag in vielerlei Hinsicht. Aber um mit der stetig wachsenden Vernetzung Schritt halten zu können, benötigen Online-Anwender besondere Sicherheitskenntnisse. Ein Wissen, das längst nicht alle Verbraucher haben. Spezielle Verschlüsselungstechniken, Passwortmanager oder elektronische Signaturen werden von vielen Anwendern nicht genutzt. Tatsächlich benötigen 60 Prozent der Deutschen Onliner dringend Unterstützung in Sachen Sicherheit. Das verdeutlicht der DsiN-Sicherheitsindex 2015, den der Verein „Deutschland sicher im Netz“ (DsiN) und das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) in der letzten Woche vorgestellt hat. Ein Kernergebnis: Der Index hat sich zum Vorjahr zwar leicht verbessert, aber er zeigt auch auf, dass das Sicherheitsgefälle zwischen den verschiedenen Nutzergruppen weiter ansteigt.

Der DsiN-Sicherheitsindex bestätige, dass es noch viel zu tun gebe, unterstrich Ulrich Kelber, Parlamentarischer Verbraucherschutz-Staatssekretär im BMJV auf dem DsiN-Jahreskongress. Es gebe nur wenige Verbraucherinnen und Verbraucher, die ihre Daten bereits ausreichend im Internet verschlüsseln. Kelber betonte, dass das BMJV deshalb zahlreiche Aktivitäten unterstütze, die zu einer verbesserten Aufklärung und Stärkung der Medienkompetenz der Verbraucherinnen und Verbraucher beitragen.

Vier Verbrauchertypen

Am meisten gefährdet sind die „außenstehenden Nutzer“ (50,7 Punkte), die etwa acht Prozent aller Online-Anwender ausmachen. Diese Gruppe der sogenannten „Silver Surfer“ benötigt am meisten Hilfestellung, denn sie kennt sich weder mit den notwendigen Schutzmaßnahmen aus, noch kann sie diese richtig umsetzen. Die älteren User zwischen 60 und 69 Jahren surfen rund zehn Wochenstunden über stationäre PCs und Laptops im Internet.

Anders die „fatalistischen Nutzer“ (52 Punkte), zu denen 17 Prozent der deutschen Onliner zählen. Bezeichnend für diese Anwender ist, dass sie die Risiken und Sicherheitsmaßnahmen kennen, aber diese nur unzureichend umsetzen. In der Regel sind sie sind unter 30 Jahre alt, die meisten von ihnen im Alter zwischen 16 und 19, und bringen rund 20 Stunden pro Woche im Netz zu.

Mit 60,5 Punkten liegen die „gutgläubigen Nutzer“ gut zehn Punkte über dem Schwellenwert von 50 Punkten. Charakteristisch sind hier die guten Sicherheitskenntnisse, die jedoch bei einer enormen Unbedarftheit kaum zur Anwendung kommen. Die Anwender dieser Nutzergruppe sind meist zwischen 30 und 59 Jahre alt, bis zu 30 Wochenstunden online und repräsentieren 32 Prozent der Internetnutzer.

Ein hohes Sicherheitsniveau (72 Punkte) gibt es der Studie zufolge nur bei den „souveränen Nutzern“, die 42 Prozent der Internetsurfer repräsentierten. Diese in der Regel 40 bis 49 Jahre alten Onliner verbringen überdurchschnittlich viel Zeit im Netz, sind aber durch entsprechende Maßnahmen seltener von Sicherheitsvorfällen betroffen.

Aus Sicht von ‚Deutschland sicher im Netz‘ sei das Digitale Sicherheitsgefälle in Deutschland nicht akzeptabel, betonte DsiN-Vorstandsmitglied und Microsoft-Geschäftsführer Alastair Bruce. Eine Agenda Digitale Aufklärung 2.0 sei nötig, um dem Sicherheitsgefälle entgegenzuwirken. Diese Agenda müsse einen individuellen Aufklärungsmix umfassen, der den Bedürfnissen der jeweiligen Nutzergruppe gerecht werde. Darüber hinaus seien ein vereinfachter Zugang zu Aufklärungsangeboten und der Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft erforderlich.

Was mich sehr optimistisch stimmt: Deutschland sicher im Netz hat bereits auf die Bedürfnisse der Online-Anwender reagiert und ein weiteres, wichtiges Zeichen gesetzt: Um allen deutschen Internet-Nutzern zukünftig noch mehr Orientierung und Hilfestellung zu geben, geht die Initiative mit der Plattform „Aktionsbund Digitale Sicherheit“ an den Start. Der Aktionsbund ist ein Zusammenschluss von Organisationen und Verbänden und hat das Ziel, die zahlreichen Aufklärungsangebote und Veranstaltungen für mehr Sicherheit im Netz besser miteinander zu vernetzen. So erhält jeder Online-Anwender die Chance, sich nach seinem Wissenstand in punkto Sicherheit auf den neuesten Stand zu bringen.

Veröffentlicht von Inger Paus, Leiterin Gesellschaftliches Engagement, Microsoft Deutschland

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