Wie gewinnt Deutschland den Wettlauf der Digitalisierung?

Author: Alastair Bruce

Vor Kurzem sprach ich auf Einladung der Atlantikbrücke e.V. mit Franz Fehrenbach, Aufsichtsratsvorsitzender der Robert Bosch GmbH, und Friedrich Merz, dem Vorsitzenden der Atlantikbrücke, zu Industrie 4.0 und der Digitalisierung der Wirtschaft.

Einig waren wir uns darin, dass der „Wettlauf um die digitale Revolution“ längst begonnen hat und Deutschland sich bewegen muss, um in diesem Rennen einen Spitzenplatz und damit eine Führungsrolle als digitalisierter Industriestandort einzunehmen. Die größte Herausforderung für Deutschland ist meines Erachtens Agilität: Wir stehen im Wettbewerb mit Länder wie den USA, China und Indien, in denen die Digitalisierung der Wirtschaft in hohem Tempo voranschreitet.

Wenn wir die Wettbewerbsvorteile der deutschen Großindustrie und des Mittelstands weiter ausbauen wollen, müssen wir die Chancen, die Industrie 4.0  bietet, jetzt ergreifen. Die großen deutschen Industrieunternehmen, allesamt Global Player, sehe ich sehr gut aufgestellt. Auch unter den deutschen Mittelständlern sehe ich zahlreiche, die bereits sehr weit beim Thema Industrie 4.0 sowie Smart Products und Services sind, und auch global den Takt vorgeben.

Gleichzeitig stimmt mich nachdenklich, dass laut dem IHK-Unternehmensbarometer erst 50 Prozent der industriellen Großunternehmen und 27 Prozent der Mittelständler Umsatzzuwächse durch Digitalisierung erwarten. Kurz gesagt: In einer Welt, die immer stärker durch digitale Technologien geprägt wird, mangelt es vielen Unternehmen scheinbar immer noch an einer umfassenden digitalen Strategie.

Zudem dürfen wir das Potenzial des Internet der Dinge für Wirtschaft und Gesellschaft nicht auf das produzierende Gewerbe verengen. Der deutsche Fokus auf Industrie 4.0 ist zwar aufgrund der führenden Rolle der Industrie in Deutschland verständlich und sinnvoll, aber die Chancen, die das Internet der Dinge bietet, sind weitaus größer. Schon heute kommen 15 Prozent der Smart Products aus dem Consumerbereich, 25 Prozent aus der Mobilität und 20 Prozent aus der Industrie. Wir müssen in Deutschland begreifen, alle Arten von Produkten und Dienstleistungen digital zu veredeln, darauf neue Geschäftsmodelle aufzubauen und daraus langfristig Wachstum und neue Wertschöpfung zu generieren.

Atlantik-Brücke

Wie dies funktionieren kann, zeigen bereits deutsche Unternehmen wie ThyssenKrupp Elevators oder Dornbracht. Gleichzeitig zeigen die Beispiele, dass die Kooperation von deutschen Industrieunternehmen und Mittelständlern mit globalen Technologieunternehmen wie Microsoft und lokalen Partnerunternehmen mit Branchenexpertise ein erfolgversprechendes Modell ist, um Industrie 4.0 schnell in die Breite zu tragen. Microsoft steht hier als Technologieanbieter bereit, der die gesamte technologische Plattform für das Industrial Internet mit der nötigen Infrastruktur, den Lösungen bis hin zur Hardware anbietet. Wir verstehen uns dabei als Enabler neuer Geschäftsmodelle auf der Basis von Big Data für unsere Kunden.

Nicht zuletzt brauchen wir Pragmatismus: Statt sich bereits jetzt auf  Standardisierung als wesentlichen Erfolgsfaktor im globalen Wettbewerb zu fokussieren und in den Diskussion hierum zu verlieren, brauchen wir Kreativität und Tempo bei konkreten Anwendungsszenarien und Praxisbeispielen. Die Bosch AG macht es mit Pilotprojekten, die sie im Rahmen ihrer Arbeit im Industrial Internet Consortium in Europa initiiert hat, vor.

Wichtig ist, dass Bundesregierung, Technologieanbieter und Anwender in eine gemeinsame Richtung laufen: Es muss darum gehen, das Potenzial von Industrie 4.0 für die deutsche Wirtschaft so schnell und umfassend wie möglich ausschöpfen. So können wir im Wettlauf der Digitalisierung an die Spitze laufen und die Grundlagen für ein neues, ein Digitales Wirtschaftswunder schaffen.

Was sind Ihre Ideen und Vorschläge, um den Industriestandort Deutschland langfristig zu digitalisieren und weiter auszubauen? Wie schaffen wir mehr Mut zum Aufbruch? Diskutieren Sie mit mir via Twitter unter #DigitalesWirtschaftswunder und verfolgen Sie die Debatte hier.

Veröffentlicht von Alastair Bruce, Mitglied der Geschäftsleitung bei Microsoft Deutschland

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