Wie Microsoft und die Johanniter gemeinsam Grenzen überwinden

2015_6_Johanniter„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ Wie oft muss ich an dieses Zitat des Philosophen Ludwig Wittgenstein denken, wenn wieder einmal ein Kind zum ersten Mal in unser Kinder- und Jugendhaus kommt. Hier in Ramersdorf, einem Stadtteil der bayerischen Landeshauptstadt München, leite ich eine Einrichtung der Johanniter-Unfall-Hilfe, die Kinder aus sozial benachteiligten Familien betreut und individuell fördert. 36 Mädchen und Jungen kommen zurzeit nach der Schule zu uns, jeden Tag, von Montag bis Freitag – 32 von ihnen haben einen Migrationshintergrund, sie sprechen arabisch, türkisch, russisch, albanisch, rumänisch, vietnamesisch oder spanisch. Deutsch hingegen fällt ihnen hörbar schwer. Unsere Sprache ist die Grenze ihrer Welt.

Diese Grenze zu überwinden haben wir uns im Kinder- und Jugendhaus zur Aufgabe gemacht. Intensive Sprachförderung ist deshalb ein Schwerpunkt unserer pädagogischen Arbeit. Denn das Beherrschen unserer Sprache ist nicht nur Voraussetzung für die Integration der Kinder in unsere Gesellschaft, sondern eröffnet ihnen die Möglichkeit einer erfolgreichen Schul- und Berufslaufbahn.

Mit einer Spende aus der Office-Chalfie-Aktion unterstützt auch Microsoft die Angebote zur Sprachförderung in unserer Einrichtung, zum Beispiel durch zusätzliche logopädische Therapiekurse. Zu Weihnachten hatte das Unternehmen dazu aufgerufen, Selfies auf der Microsoft-Website hochzuladen. Für jedes Bild wurde eine Spende an Projekte der Johanniter-Flüchtlingshilfe geleistet. Unser Kinder- und Jugendhaus in Ramersdorf gehört zu den ausgewählten Projekten, ebenso wie unsere „Willkommenskitas“ in Sachsen, unser „Spielzimmer“ in der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen oder unsere beiden Flüchtlingsheime in Rüthen und Oerlinghausen.

Umso mehr haben wir uns gefreut, dass sich Microsoft nun selbst vor Ort ein Bild von unserer Arbeit machen konnte. Inger Paus, verantwortlich für gesellschaftliches Engagement und Nicole Thies, die die Weihnachtsaktion initiiert hat, besuchten uns in Ramersdorf, um zu erfahren, wie Flüchtlings- und Migrantenkinder bei uns betreut und gefördert werden. Als Überraschung hatten uns die Besucher ein „Schlaumäuse“-Tablet-Computer mitgebracht. Das „Schlaumäuse“-Programm wird in Zukunft unsere Kurse, aber auch unsere Spiele und Lernmaterialien zur Sprachförderung ergänzen.

Gemeinsam können wir so dazu beitragen, die Grenzen zu überwinden, die die Sprache für sozial benachteiligte, für Flüchtlings- und Migrantenkinder darstellt. Es ist ein toller, ein richtiger Schritt, sie zu fördern und ihnen damit Zukunftschancen zu eröffnen. Was dennoch bleibt, sind die anderen Grenzen: Zwischen den Ländern, zwischen arm und reich und in all unseren Köpfen.

Autoren-Information

Renate Schemann ist Leiterin des Kinder- und Jugendhauses der Johanniter-Unfall-Hilfe in München-Ramersdorf. Als Sonderpädagogin arbeitet sie seit über 20 Jahren in der Kinder- und Jugendhilfe, insbesondere in der Förderung sozial benachteiligter Menschen. Sie hat umfangreiche Erfahrung in der stationären und ambulanten Hilfe, sowohl an der Basis als auch in leitender Funktion.

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