Coding – Muss Deutschland programmieren lernen?

Der Berliner EDChatDE Themenabend im Rückblick

Inger Paus

Inger Paus

Auf einem Twitter-Themenabend  der Initiative D21 in Zusammenarbeit mit #EDchatDE und Microsoft Deutschland diskutierten Pädagogen, Bildungsexperten und Politiker am 14. Oktober 2014 in Berlin über die Rolle, die das Unterrichtsfach Informatik und Programmieren zukünftig an unseren Schulen einnehmen könnten und einnehmen sollten. Der Abend startete mit einer Livediskussion im 360° Raum von Microsoft Berlin mit Lena-Sophia Müller, Geschäftsführerin der Initiative D21, André Spang, Lehrer an der Kaiserin Augusta Schule in Köln und Initiator des EDChatDE und seinen Schülerinnen Mimi Zak und Lara Bauer. Mimi und Laura demonstrierten Musikroboter, deren Programmierung sie im Unterricht von André Spang entwickelt haben.

Im Anschluss fand der 53. EDChatDE erstmals als Live-Event statt, moderiert von Lena-Sophia Müller (@lsmueller) und André Spang (@tastenspieler). Torsten Larbig (@herrlarbig) war per Video zugeschaltet. Im Nachklapp zur Computer Science Education Week hier eine Zusammenfassung der EdChatDE-Diskussion, die zahlreiche Anregungen gibt, ob und wie man das Thema Coding sinnvoll im Schulunterricht integrieren könnte.

„Programmiersprachen gehören zu den Sprachen des 21. Jahrhunderts. […] Für mich wäre eine der Möglichkeiten, [sie] als zweite Fremdsprache in Schulen anzubieten“, (Quelle: rp-online.de) schlug Sigmar Gabriel, derzeitiger SPD-Parteivorsitzender und Vize-Kanzler vor und regte damit eine lebhafte Diskussion zu der Frage an, ob Programmiersprachen in der Schule unterrichtet werden sollten. Der Twitter-Themenabend „Coding – Muss Deutschland programmieren lernen?“ nahm das Thema auf und diskutierte darüber mit der EDchatDE-Community, einem Twitter-Chat für Lehrerinnen und Lehrer und Bildungsinteressierte. An der Diskussion beteiligten sich aktiv insgesamt 71 Userinnen und User, die zusammen rund 800 Tweets verfassten.

Bereits die Einstiegsfrage wurde kontrovers diskutiert: Ist Programmieren eine neue Kulturtechnik neben Lesen und Schreiben? Angesicht der Tatsache, dass unser Leben bereits jetzt an vielen Stellen von Programmiercodes durchzogen ist und in Zukunft noch deutlich bestimmt werden wird, ist diese Fragestellung alles andere als trivial. Dementsprechend breit war auch das Spektrum der Antworten im Twitter-Chat. Es gab klare Zurückweisung wie auch Zustimmung und Differenzierung:

Aber Programmieren ist doch nur etwas für Jungen. Oder? Diese Frage thematisierte einen wichtigen Aspekt: die schwache Präsenz von Mädchen und Frauen im IT-Bereich. Auch die Chat-Teilnehmenden sahen diese Herausforderung, machten gleichzeitig jedoch deutlich, dass es wichtig ist, entsprechende Vorurteile zu überwinden.

Überwiegend neutral wurde die Frage diskutiert, in welchem Alter man Kinder ans Programmieren heranführen sollte: Kinder spielen manchmal schon mit 3 Jahren auf Smartphones. Gefährlich oder Grund, ihnen Programmieren beizubringen?

Da sich der EDchatDE explizit an Lehrkräfte und Bildungsinteressierte wendet, befasste sich eine Frage auch konkret mit dem Schulfach Informatik: Schaffen wir das Fach Informatik ab und integrieren es fächerübergreifend? Die Antworten machen deutlich, wie schwierig dies aktuell praktisch umsetzbar ist. Denn wer Programmieren/Informatik in den Unterricht integrieren will – sei es fächerübergreifend und -begleitend oder als eigenständiges Schulfach – muss zunächst die personellen, fachlichen und technischen Voraussetzungen dafür schaffen. Gleichzeitig wurden aber auch die Chancen dieser Idee gesehen:

Interessante Ideen gab es auch zur Frage: Informatik ist etwas für Nerds. Warum wird sich das (niemals) ändern?

Des Weiteren wurde an diesem Abend die Frage diskutiert, ob und gegebenenfalls wie IT-Unternehmen Schulen in Sachen Informatik unterstützen sollten oder ob dies sogar gefährlich sei. Unter den Teilnehmenden herrschte hier überwiegend Aufgeschlossenheit, allerdings verbunden mit der Mahnung zur Vorsicht.

So ein Abend kann selbstverständlich keine letztgültigen Antworten geben. Doch er kann Diskussionsräume erschließen und relevante Fragestellungen ins Licht der Aufmerksamkeit rücken. Das ist wichtig, denn schließlich gewinnt die Frage nach einem Unterrichtsfach „Programmieren“ an unseren Schulen zwangsläufig an Bedeutung. Nicht nur, weil Programmcodes unser Leben in immer höherem Maße prägen, sondern auch, weil wir uns Gedanken darüber machen müssen, wer diese Codes in Zukunft schreiben soll und auf Basis welcher kulturellen und auch ethischen Werte das geschehen soll. Wenn wir wollen, dass unsere Kultur und unsere Werte in diese Codes einfließen, dann brauchen wir auch mehr Menschen in unserem Land, die programmieren können. Und die Lernenden von heute sind die Programmiererinnen und Programmierer von morgen.

Youtube-Video:

Veröffentlicht von Inger Paus, Leiterin Gesellschaftliches Engagement, Microsoft Deutschland

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s